Im Mitmachprojekt beschäftigten wir uns mit dem Ochsenhandel in Hohenlohe: Wo und wie oft fanden Viehmärkte in der Region statt, auf denen Ochsen gehandelt wurden? Welchen Weg nahmen die Ochsentreiber, und zogen sie wirklich bis nach Paris? Wie viel verdiente ein Ochsentreiber, wie viele Zölle fielen entlang der Strecke an?
Gemeinsam durchforsteten wir Steuerlisten, analysierten die erfassten Viehbestände ausgewählter Dörfer der Region und mutmaßten anhand Ortsnamen und Postwegekarten, wo Ochsenzüge aus Hohenlohe den Rhein überquert haben könnten.
Pfarrer Mayers Innovationen
Eine besondere Rolle in der Recherche spielten die Aufzeichnungen von Pfarrer Johann Friedrich Mayer aus Kupferzell. Der Kleriker mit einer Vorliebe für landwirtschaftliche Innovationen setzte sich stark für die Stallhaltung ein und propagierte eine verstärkte Düngung mit Gipsmehl sowie den Anbau von Klee, um einen höheren Futterertrag zu erzielen – Neuerungen, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts noch recht unverbreitet war. Diese Ratschläge hielt er in seinem „Lehrbuch für Land- und Hauswirte“ fest, das 1773 mitten in der Blütezeit des Ochsenhandels veröffentlicht wurde.
Wir stellten fest, dass vor allem die Viehmast und der Viehhandel wichtig für die Region waren. Wir fanden Belege dafür, dass magere Ochsen aus dem weiteren Umland (z.B. der Pfalz oder Schwaben) eingekauft, über 4-6 Wochen in Hohenlohe gemästet und anschließend weiterverkauft wurden. Durch die von Pfarrer Mayer angepriesene Stallhaltung wurde dieser recht kurze Mastzeitraum erst ermöglicht und garantierte durch das konstante Stallklima, dass die Viehmast und der daraus resultierende Handel fast ganzjährig stattfinden konnte.
Die vergleichsweise niedrigen Verkaufszahlen auf den örtlichen Viehmärkten deuten darauf hin, dass der Großteil des Viehhandels abseits der Viehmarkttage stattgefunden haben muss und ein Netzwerk aus Ein- und Verkäufern bestand, die im direkten Kontakt zu den Bauern im Umland und Hohenlohe standen.
Im Betrachtungszeitraum um die 1770er Jahre ist nicht ersichtlich, dass der florierende Handel zu einer Vergrößerung der Ställe oder des allgemeinen Viehbestands geführt hat. Viel mehr blieb der Ochsenbestand in den betrachteten Dörfern über mehrere Jahre ziemlich konstant – ein durchschnittlicher Bauernhof beherbergte ca. 5-10 Rinder, wie in regelmäßigen Zählungen erfasst wurde. Das weist darauf hin, dass die „wöchentlich stattfindenden Ochsenzüge“ durch den schnellen Weiterverkauf nach einer kurzen Mastphase und hohe Umschlagszahlen der Viehbestände entstanden.
Schuften wie ein Ochsentreiber
Die Viehtriebe, die regelmäßig Hohenlohe verließen und bis nach Durlach, Straßburg oder weiter nach Paris führten, fanden fast ganzjährig statt, mussten aber im Winter eine witterungsbedingte Pause einlegen. Gleichzeitig ist ein Trend erkennbar, dass vor wichtigen Feiertagen besonders viele Viehzüge starteten, um der erhöhten Fleischnachfrage zu den Feiertagen gerecht zu werden. Bemerkenswert fanden wir, dass ein Zug von ca. 50 Ochsen von nur 1-3 Viehtreibern begleitet wurde. Diese Viehtreiber hatten nicht nur die Aufgabe, ihren Ochsenzug wohlbehalten am Zielort abzuliefern, sondern mussten unterwegs bei Grenzübertritten zwischen verschiedenen Herrschaftsgebieten auch Zölle entrichten. Unterschieden wurde hierbei zwischen Einfuhr-, Ausfuhr- und Durchtriebszöllen, die je nach Herrschaft festgelegt waren. Auf ihrem mehrwöchigen Weg nach Osten rasteten die Viehzüge vermutlich immer an den gleichen Stellen, wie einige Ortsnamen mutmaßlich heute noch belegen.
Zur Rheinüberquerung der Ochsenzüge zogen wir ebenfalls Orts- und Flurnamen zu Rate: So gab es in Straßburg bereits damals schon eine Brücke über den Rhein, die möglicherweise genutzt wurde. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Viehzüge durch den damals noch nicht begradigten Rhein und die angrenzenden Rheinauen waten bzw. schwimmen mussten. Ein Beleg dafür findet sich im Flurnamen „Ochsenfurt“ bei Durlach, wo auch eine Raststation belegt werden konnte.

