Rückblick

Rückblick

09.06.24 Die Brettacher Mühle – imposantes Mühlengebäude in ländlichem Idyll

Fährt man durch den Ort zur Mühle ist man im ersten Moment überrascht, denn ein imposantes Mühlengebäude mit einem ebensolchen Renaissancegiebel empfängt den Besucher. An die Mühle angrenzend liegt eine kleine Parkanlage in sattem Grün mit altem Baumbestand. Und natürlich fließt hier die Brettach und der davon abzweigende Mühlkanal, der die Mühle über 400 Jahre mit der Kraft des Wassers versorgte. Die vier Mühlräder wurden einst unterschlächtig angetrieben und brachten die Mühlentechnik in Gang. Wie die „klappernde Mühle“ arbeitete, davon kann man einen kleinen Eindruck erlangen, wenn im Untergeschoss des Mühlenmuseums Teile davon in Gang gesetzt werden – heute allerdings mit Motoren, denn die Mühlräder sind nicht mehr in Funktion. Trotzdem sehr beeindruckend, wie hier gearbeitet wurde! Schon 1344 wird die Brettacher Mühle erstmals erwähnt, der heutige Bau wurde um 1600/1602 auf alten Grundmauern errichtet.

Der Heimatgeschichtliche Verein Langenbrettach empfing uns an der Mühle und wir kamen in den Genuss einer Führung durch die Räume und die benachbarte Scheune, wo es in beinahe jedem Winkel etwas zu entdecken gibt. Der Verein hat hier mit viel Engagement und großer Liebe zum Detail eine Vielzahl an Gegenständen zusammengetragen, die vom einstigen Leben im Ort zeugen. Dass die „gute alte Zeit“ durchaus beschwerlich war, kann man hier nachempfinden, aber auch die wichtige Stellung des Handwerks. Die Wertigkeit und Langlebigkeit vieler Dinge macht nachdenklich, ist die heutige Zeit doch durch den schnellen Verbrauch vieler Produkte geprägt. Und so hört man an einigen Stellen des Rundgangs in der Gruppe immer wieder „Achja, das kenn´ ich noch“ und so bringen einstige Alltagsgegenstände die Augen zum Leuchten. Anschließend ging es noch eine Runde durch das Dorf und in die schön ausgestattete Kirche, bevor wir dem Wegweiser des nahegelegenen Besens folgten…

Ein Besuch dieses schönen Kulturdenkmals lohnt sich allemal. Vielen Dank an den Heimatgeschichtlichen Verein, der gerne auf Anfrage durch die Mühle führt. Man kann auch den Saal im 1.OG für Feierlichkeiten mieten, sogar ein Trauzimmer ist eingerichtet. Oder man kommt als Radler oder Wanderer auf dem Brettachtal-Radweg an der Mühle vorbei und nutzt den Park zur Erholung und wohlverdienten Rast.

23.05.24 Stammtisch in Pfedelbach und ein kleiner Gang durch die Geschichte und das Schloss mit Michael Schenk

Eine große Gruppe hatte sich am Donnerstag Abend vor dem Pfedelbacher Schloss versammelt. Was „nur“ als Stammtisch angedacht war, entwickelte sich dank Michael Schenk zu einem einstündigen Rundgang durch die Geschichte und das Schloss Pfedelbach mit anschließender Einkehr im „Bürgerstüble“. Zunächst erfuhren wir die wichtigsten Eckpunkte zur Baugeschichte des ehemaligen Wasserschlosses und die Nutzung der umliegenden Gebäude. Dann ging es durch den Hof in die Schlosskapelle, die für Trauungen von der Gemeinde gern und rege genutzt wird. Die schöne Holzausstattung, das Altargemälde und auch die Orgel (mit dem „versteckten Organisten“) von Johann Anton Ehrlich aus dem Jahre 1777, verleihen dem Raum eine besondere Atmosphäre. Weiter ging es in den Bürgersaal, dessen Decke ein barockes Gemälde von Joachim Georg Creutzfelder ziert. Dargestellt hat der Maler die vier Jahreszeiten, Planeten und Sternbilder, die er als Hofmaler der Grafen von Hohenlohe schuf. Creutzfelder ließ sich 1650 in Pfedelbach nieder, wo er 1702 auch verstarb. Bis 2015 hieß die Pfedelbacher Schule Creutzfelder-Schule.

Im Pfedelbacher „Bürgerstüble“ konnten alle den Abend in netter Runde ausklingen lassen.

Vielen Dank an Michael Schenk, der uns mit viel Ortskenntnis durch die Pfedelbacher Geschichte und das Schloss begleitete und uns auch Einblicke in die Geschichte und Sprache der Jenischen gab, die sicher in Erinnerung bleiben werden.

20.10.-22.10.23 Hohenlohe Historisch geht auf Reisen

Da die Grafen von Hohenlohe nicht nur im direkten Umfeld des heutigen Hohenlohe Besitzungen zu verzeichnen hatten, hieß es diesmal Koffer packen und 18 Mitglieder begaben sich auf die Spurensuche nach Ohrdruf in Thüringen.

Unsere erste Station war die Stammburg der Grafen von Gleichen bei Wandersleben. Die mittelalterliche Burgruine empfing uns in Nebel gehüllt und es kommen einem Wörter wie mystisch, neblig, verwunschen oder herbstlich in den Sinn, um die Stimmung bei unserer Ankunft zu beschreiben. Die Grundmauern und auch aufgehendes Mauerwerk eines romanischen Wohnhauses und des Herrenhauses waren zu bestaunen. Auch der mittelalterliche Bergfried, der eine kleine Ausstellung beheimatet, ist sehr sehenswert, nur die Aussicht auf die herbstlichen Wälder und die benachbarten zwei Burgen blieb uns aufgrund des Nebels verwehrt. Ende des 16. Jahrhunderts bauten die Grafen von Gleichen ein schmuckes Residenzschloss im naheliegenden Ohrdruf, wo es sich angenehmer und dem Stande angemessener leben ließ. 1631 starben die Grafen von Gleichen aus und durch eine Erbverbrüderung gelangte die Grafschaft samt seinen Ländereien an die Grafenlinien Hohenlohe-Langenburg und Hohenlohe-Neuenstein. Schloss und Stadt wurden fortan gemeinsam von den beiden Linien verwaltet. Auch wenn es nie ein eigener Residenzort war, hinterließen die Hohenlohe mehrere hundert Jahre ihre Spuren in der Geschichte des Ortes. So begaben auch wir uns nach der Burgführung nach Ohrdruf, wo wir am Nachmittag im Hotel eincheckten. Am Abend empfing uns Herr Antweiler mit einem Vortrag zu den Mitgliedern der Familie Bach, die in Ohrdruf wirkten. Die Sankt-Trinitatis-Kirche lieferte den perfekten Rahmen, um uns die Familie Bach und ihr Leben als Kantoren, Organisten und Lehrer in Ohrdruf vorzustellen. Auch der junge Johann Sebastian verbrachte fünf Jahre (1695-1700) bei seinem Bruder Johann Christoph in der Stadt und besuchte dort das Lyzeum. Damals war allerdings die Michaeliskirche die Hauptkirche der Stadt. Sie wurde nach einem großen Stadtbrand 1808 wiederaufgebaut und durch einen Bombenangriff 1945 bis auf den Turm abermals zerstört.

Am zweiten Tag brachen wir mit der Interessengemeinschaft des Schlosses Ehrenstein zu einer sehr interessanten Stadtführung auf. Man konnte wirklich staunen, welch wechselvolle Geschichte in diesem kleinen Städtchen steckt. Drei Stunden waren schnell verflogen und man hätte noch weiter den Geschichten lauschen können, doch allmählich war es Zeit für eine Mittagspause. Danach waren wir eingeladen in kleinen Gruppen das Renaissanceschloss mit seinem modern eingerichteten Museum zu besichtigen. Die Ausstellung wurde neu konzipiert und eingerichtet, nachdem das Schloss 2013 einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen war. Das war besonders tragisch, denn jahrelang war es mühsam und unter viel Einsatz renoviert worden, als am Tag der Eröffnung ein Brand ausbrach und zwei Flügel des Schlosses komplett zerstörte. Das Museum zeigt sehr anschaulich und mit vielen Exponaten die Geschichte des Ortes. So war Ohrdruf ein bekannter Herstellungsort der ersten Charakterpuppen der Welt, den so genannten „Kewpies“, Stahlrohrmöbeln von Bauhausdesigner Erich Dieckmann und auch die Spielzeugindustrie fasste hier Fuß. Am Abend wurden wir von den engagierten Mitgliedern der „IG Ehrenstein“ zu Thüringer Bratwurst und Soljanka eingeladen. Mit einem Gastbeitrag von Jan Wiechert zum Thema „Hin und Her“ zwischen Hohenlohe und Ohrdruf fiel nochmal der Spot auf die Menschen und deren Geschichten, die sich zwischen den Gebieten bewegten und durch die räumliche Distanz geprägt waren.

Mit einem Abstecher ins ebenso geschichtsträchtige und hübsche Städtchen Schmalkalden endete unsere Reise am dritten Tag und es blieben viele neue Eindrücke, schöne Begegnungen und ganz viel Geschichte(n) im Gedächtnis der Teilnehmer.

Auf einen Gegenbesuch aus Ohrdruf würden wir uns sehr freuen, es warten noch viele Regalmeter Akten im Hohenlohe Zentralarchiv auf eifrige Entdecker und bergen geduldig viele weitere Geschichten von Menschen und Begebenheiten zwischen Hohenlohe und Ohrdruf.

16.09.23 Hohenlohe Historisch geht auf Wanderung

Ein Steinkreuz im Wald – dem Verbrechen auf der Spur

Die Sommerpause ist vorbei, der Spätsommer zeigt sich von seiner schönsten Seite und es gibt eine spannende historische Begebenheit in Wald und Flur zu erkunden. Perfekte Bedingungen, um die Wanderschuhe zu schnüren…

So machten wir uns also auf den Weg, die Geschichte eines steinernen Kreuzes, dem sog. Schmauderstein, am Waldrand bei Michelbach a.W. zu erfahren. Los ging es am Michelbacher Sportplatz durch die Weinberge zum Forsthaus Rohrklinge. Dort präsentierte uns Jan Wiechert die ersten Informationen zu Wilhelm Schmauder, der mit seiner Familie eben dieses Forsthaus Ende des 19. Jahrhunderts bewohnte. Er war Forstwart der Hohenlohe und so zog er am 11. Juli 1898 von hier aus los, um seinen Rundgang im Revier zu erledigen. Von diesem sollte er nicht mehr wiederkommen…

Für uns ging es erstmal weiter über idyllische Wege zu jenem steinernen Kreuz am Waldrand von Michelbach. Hier, oder zumindest in unmittelbarer Nähe (der Stein wurde wohl einmal versetzt) geschah das Verbrechen. Wilhelm Schmauder wurde erschossen, sein Leichnam ein paar Tage später hier gefunden. Wie die genauen Umstände der Auffindung waren und welche Indizien sichergestellt wurden, weiß Jan Wiechert an dieser Stelle zu berichten.

Doch wer hatte die Tat begangen? Nach einer kleinen Rast machten wir uns auf den Rückweg. An der nächsten Station erfuhren wir, wer der Täter war: ein Wilderer, der schon einmal von Wilhelm Schmauder auf frischer Tat ertappt und überführt wurde und seitdem wohl auch als persönlicher Feind Schmauders betrachtet werden kann.

An der letzten Station erwartete uns eine erfrischende Überraschung in Form von verschiedenen Häppchen, Traubensaft und erfrischendem Sprudel. Wer wollte konnte auch ein Schlückchen Wein genießen. So erfuhren wir hier noch, wie es der Familie Schmauders nach dessen Tod ergangen und wie die Strafe des Täters ausgefallen war. Eine spannende Geschichte, deren Details hier nicht alle verraten werden, aber die doch beeindruckend gut dokumentiert ist.

Vielen Dank geht an dieser Stelle auch an Sandra, die die Wanderroute ausgearbeitet und die Köstlichkeiten vorbereitet hat!

Und wieder einmal wäre bewiesen: Geschichtsforschung findet oft im Archiv oder am Schreibtisch statt, lebendig wird sie vor Ort und dem Besuch historischer Schauplätze. Daher werden wir bestimmt noch einmal die Wanderschuhe schnüren und uns auf historische Pfade begeben. Nicht zuletzt, weil es sich bei guter Stimmung, schönem Wetter und netten Leuten auch so schön über gegenwärtige Themen plaudern lässt.

03.09.23 Führung durch die Ausstellung „Über 1000 Jahre Unterregenbach“ in Schwäbisch Hall

Der am linken Ufer der Jagst unterhalb von Langenburg gelegene Weiler Unterregenbach birgt ein faszinierendes Geheimnis. Uns bot sich die Gelegenheit zum Besuch der Sonderausstellung im Hällisch-Fränkischen Museum, wo uns Museumsleiter Dr. Armin Panter empfing.

Nach einer Einführung und einem Einblick in die Arbeitswelt von Archäologen gab es in verschiedenen Vitrinen Fundstücke die rund um die Krypta entdeckt wurden, wie einen Abendmahlskelch, geschnitzte Knochenfundstücke und Einzelteile von Gebetsketten, zu bestaunen. Die Umrisse des unterirdischen Gewölbes der Krypta lassen sich übrigens per Knopfdruck auf eine Wand projizieren.

Dass unter dem Pfarrhaus von Unterregenbach die Reste eines Kirchengebäudes lagen, wusste man, doch erst seit dem Neubau des Pfarrhauses 1880 ist die gesamte Gestalt der Krypta bekannt. Später stieß man bei Grabungen auf die Grundmauern einer Basilika. Niemand wusste von dem Bauwerk. Lediglich in einer Urkunde Kaiser Konrads II. (990–1039) von 1033 wird die Schenkung eines kirchlichen Rechtsbezirks in »Regenbach« an das Bistum Würzburg bestätigt. Stifterin war Kaiserin Gisela von Schwaben († 1043), die Gemahlin Konrads. Mit fast 50 Metern Länge und einer Breite von 17 Metern war die in das ausgehende 10. Jahrhundert datierte Basilika der größte Kirchenbau ihrer Zeit im Gebiet des heutigen Württemberg. Trotz intensiver Grabungen und Recherchen bleiben bis heute viele Fragen offen: Warum wurde eine so gewaltige Kirche in Unterregenbach errichtet und von wem? Führte eine Wallfahrt dorthin? Gehörte sie zu einer Kloster- oder Stiftsanlage? Wie lässt sich ihr schneller Bedeutungsverlust erklären und wie lange war der Kirchenbau tatsächlich in Funktion?

Ebenso spannend wie rätselhaft sind die Befunde von Grabungen unter der heutigen Kirche St. Veit. Dort stieß man auf die Grundmauern einer kleineren Basilika aus der Mitte des 11. Jahrhunderts sowie auf die Reste einer wiederum darunterliegenden noch älteren kleineren Saalkirche, die möglicherweise aus dem 8./9. Jahrhundert stammt. Zwei kreuzförmige Kanäle unbekannter Funktion und vier Bestattungen im Innenbereich geben Rätsel auf. Da Kirchenbestattungen zu dieser Zeit ein Privileg der sozialen Oberschicht waren, stellt sich die Frage, wer dort beigesetzt wurde? Wofür wurde die Saalkirche gebaut? Gehörte sie zu einem Herrensitz? War sie das Zentrum einer Art frühen Klostergemeinschaft und diente zur geistlichen Versorgung der Umgebung? Bestanden die große und die kleine Basilika gleichzeitig oder lösten sie einander ab?

Der Ausstellungsbereich im zweiten Stockwerk gewährt unter anderem Einblicke in den Alltag der Bewohner Unterregenbachs: Tonscherben von Alltagsgefäßen, Gürtelschnallen und Schmuckstücke, Trinkbecher, Münzen, Spielsteine und Spielzeug aber auch Metallgeräte, die in der Landwirtschaft Verwendung fanden gewähren Einblicke in den Alltag der Bewohner Unterregenbachs. Die Klinge eines Rebmessers lässt auf Weinbau schließen.

Highlight am Ende der Führung ist ein schwarz-weißes Panorama Unterregenbachs aus heutiger Zeit. Davor steht ein Tisch, auf dem eine Karte die Gebäudegrundrisse des Dorfes zeigt. Kleine dreidimensionale Modelle der wichtigsten Bauten können auf der Karte platziert werden. Dann erscheinen die Gebäudestrukturen in bunten Projektionen auf dem schwarz-weißen Panorama, so wie sie vor über 1000 Jahren gestanden haben müssen. Entwickelt von Darmstädter Architekturstudenten im Rahmen einer Semesterarbeit !

Auf viele Fragen würden die Besucher laut Herrn Panter auch in der Ausstellung keine Antworten erhalten. Begleitend zu der Ausstellung richtet der Historische Verein für Württembergisch Franken am 06.10.2023 (17:45 – etwa 20:00) und am 07.10.2023 (09:15 – etwa 16:15) in der Hospitalkirche in Schwäbisch Hall eine wissenschaftliche Tagung aus. Darin wird der aktuelle Stand der Forschung präsentiert und Fragestellungen zu Unterregenbach grundlegend diskutiert. Wer sich also umfassend über den aktuellen Stand der Forschung zum Thema Unterregenbach informieren möchte kann sich bis 24.September per mail unter hfm.user@schaebischhall.de anmelden. Die Zahl der Teilnehmer ist auf 200 begrenzt.

17.06.23 Büchermarkt in Kirchberg/Jagst

22.04.23 Ausflug in das ehemalige Kloster Gnadental

Unser Frühjahrsausflug führte uns in das beschauliche Gnadental, wo sich im oberen Flusstal des „Bibers“ ehemals ein Kloster befand. Kein Kirchturm weist uns den Weg, keine prächtigen Bauten künden von der einstigen Zeit. Doch weder die Abgeschiedenheit noch die Bescheidenheit der Architektur sind Zufall, sondern Ausdruck und Merkmale der Baukunst der Zisterzienser.

Vor der ehemaligen Klosterkirche des Nonnenordens empfing uns Herr Walter Euler, der uns die Geschichte dieses besonderen Ortes mit großer Ortskenntnis vermittelte. 1245 verlegte Konrad von Krautheim das Kloster, das ursprünglich im Jagsttal ansässig war, nach Gnadental. Es liegt in unmittelbarer Nähe der Haller Landhege, was immer wieder zu Konflikten führte, wie man heute noch im HZAN nachlesen kann. Die Schutzvogtei übertrug Konrad vor seinem Tod den verwandten Hohenlohe, die geistlichen Aufseher waren die Äbte aus Kloster Schöntal.

Von der ehemaligen Abtei ist heute noch die (verkürzte) Klosterkirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erhalten, die die wesentlichen Merkmale einer Zisterzienserkirche zeigt. Sie ist relativ schlicht gehalten, denn übermäßige Bauzier war nicht erlaubt. Ebenso ersetzte ein schlichter Dachreiter den Kirchturm. Doch trotzdem findet man außen wie innen viele Schmuckformen, die in schöner Schlichtheit das Gotteshaus zieren. Und auch kleine figürliche Darstellungen finden sich. Neben der „Nonne“ auf dem Pfeiler, bei der es sich wahrscheinlich eher um einen Baumeister handelt, sieht man kleine Vögel und im Innern der Kirche kleine Blumen und Röschen. Gut, dass Herr Euler immer wieder auf diese kleinen Besonderheiten hinwies, denn das ein oder andere Detail wäre sonst dem Auge entgangen.

Über die Klostergebäude kann man heute nur noch Vermutungen anstellen und an mancher Stelle lassen die Steine Rückschlüsse auf die einstige Gestalt der Gebäude zu. So sind die Nonnen über ein zweites Geschoss (über dem Kapitelsaal), aus dem Dormitorium direkt auf die Nonnenempore in der Kirche gelangt.

Weiter ging der Rundgang nun in das Innere der Kirche, wo eine weitere Besonderheit auf uns wartete. Es handelt sich um die mittelalterlichen Grabplatten, die im heutigen Vorraum der Kirche zu sehen sind. Wo sie ursprünglich standen ist nicht immer bekannt. Hier sticht vor allem der Grabstein der Äbtissin Helene Gräfin von Hohenlohe (gest. 1543) durch seine feine Ausarbeitung und seinen Detailreichtum ins Auge. Nicht umsonst fällt hier das Stichwort „Riemenschneider Umfeld“.

Mit einem Blick in die Kirche, die den Übergang zur Frühgotik zeigt, wird wieder die schlichte Schönheit, die Anmut durch die Einfachheit dem heutigen Betrachter vor Augen geführt. Ein großes gotisches Fenster ziert den Chor der Kirche, der in zisterziensischer Manier rechteckig abschließt und von mächtigen Kreuzrippen überspannt wird. Die zahlreichen Rosenornamente verweisen auf die damalige Mystik der Frauenorden. Dreht man sich um und schaut in den Westteil der Kirche sieht man die Nonnenempore, auf der die Nonnen, abgetrennt von den Laienbrüdern und Priestermönchen, am Chorgebet teilnahmen.

Ein besonderer Dank geht an Herrn Euler, der uns die Geschichte des ehemaligen Zisterzienserinnen-Klosters mit großer Kenntnis nahegebracht hat. Ein Ort, der heute noch beeindruckt und verzaubert und uns ein bisschen aus dem „Heute“ entführt hat. Mit einem gemeinsamen Essen im nahegelegenen Forsthaus wurde unser Frühjahrsausflug in netter Runde beendet.

28.01.23 Besuch das Weinbaumuseums Pfedelbach und Stammtisch im Gasthaus „Sonne“

Ein paar steile Stufen führen hinunter in den großen tonnengewölbten Keller, der bei schummriger Beleuchtung geheimnisvoll wirkt. Als das Licht angeht fällt der Spot auf das große Fürstenfass am Ende des 70m langen „Herrenkellers“ und entfaltet dessen Wirkung fast bühnenreif.

In diesem tollen Ambiente bereitet uns Herr Uhlmann einen herzlichen Empfang. Stilecht startet die Führung mit einem prickelnden Glas Riesling-Sekt oder alternativ einem fruchtigen Traubensaft aus der Weinkellerei Hohenlohe. Bevor die Weinkellerei nach Adolzfurt verlegt wurde, standen in diesem 1604 erbauten „Langen Bau“ die Fässer und Tanks, in denen der Rebensaft heranreifte und anschließend abgefüllt wurde.

Herr Uhlmann nahm uns mit auf eine interessante Zeitreise, in der die Arbeit im Weinberg noch von anstrengender Handarbeit geprägt war. Es geht vorbei an vielen alten Gerätschaften, darunter die Ölöfen, deren Rauch die Reben vor Spätfrösten schützten, der ersten Etikettiermaschine und den Werkzeugen einer ehemaligen Küferei. Mit viel Hingabe wird dem Besucher ein anschauliches Bild vergangener Zeit vermittelt, an die sich der ein oder andere Besucher noch gut erinnert.

Ist man den Keller entlang geschritten, steht man vor dem imposanten Fürstenfass, das reich verziert das Wappen und die Inschrift „Joseph Fürst zu Hohenlohe und Waldenburg Pfedelbach 1752“ trägt. 1828 wurde es letztmals mit dem Zehntwein des Fürsten gefüllt, der ihn als Besoldung an seine Truppen und Bediensteten ausgab. Es fasst stolze 64 664l und ist das drittgrößte seiner Art in Süddeutschland. Etwas kurios wirkt die holzgeschnitzte Bacchus-Figur, die als Fassriegel diente.

Einen schönen Ausklang fand unsere kleine aber feine Exkursion zur Weinbaugeschichte, im Gasthaus zur „Sonne“ in Pfedelbach, wo man sich kulinarisch stärken oder auch nochmal einen Tropfen Hohenloher Weinbaugeschichte verkosten konnte.

Vielen Dank geht an dieser Stelle nochmals an Herrn Uhlmann, dessen Engagement und Herzlichkeit uns beeindruckt hat!

15.10.22 Tages-Exkursion nach Wilhermsdorf

Premiere geglückt! Unsere erste Tages-Exkursion führte uns nach Wilhermsdorf im Landkreis Fürth. Von 1667 bis Mitte des 18. Jahrhunderts gehörte die Stadt zum hohenlohischen Herrschaftsgebiet. Insbesondere Gräfin Franziska Barbara, die erst mit Graf Wolfgang Julius von Neuenstein verheiratet war, dann mit Graf Philipp Ernst von Hohenlohe-Schillingsfürst, prägte den kleinen Ort.

In Wilhermsdorf wurden wir sehr herzlich von dem dortigen Heimatverein in dessen Vereinshaus empfangen. Von dort durften wir uns in einer sachkundigen und kurzweiligen Stadtführung auf eine Reise in die Vergangenheit des Ortes begeben. Dabei spielte vor allem die hohenlohische Zeit und die bis heute sehr geschätzte Gräfin Franziska Barbara eine große Rolle. Sie wählte Wilhermsdorf zu ihrer Residenz, nachdem ihr erster Mann Graf Wolfgang Julius von Neuenstein 1698 nach neun Jahren Ehe verstorben war. Unter ihr erlebte die Stadt eine Blütezeit, die auch während ihrer zweiten Ehe mit Graf Philipp Ernst aus der katholischen Linie Hohenlohe-Schillingsfürst, anhielt.

Auch der Neubau der Kirche wurde von ihr in den Jahren 1706 bis 1714 nach den Plänen des Grafen Wolfgang Julius verwirklicht. Von der barocken Architektur und wunderschönen Ausstattung durften wir uns in einer Kirchenführung beeindrucken lassen und sogar bis unters Dach steigen und den Ausblick auf dem Kirchturm genießen.

Wir bedanken uns nochmals herzlich bei dem Vorstandsteam des Heimatvereins Wilhermsdorf und freuen uns, dass die Spuren der Geschichte uns zu diesem Tagesausflug geführt haben, bei dem auch schöne Begegnungen, anregende Gespräche und auch natürlich das leibliche Wohl nicht zu kurz kamen!

17./18.09.22 Mitmach-Projekt „Waren und Werte“

Wenn man sich über einen Stapel Rechnungen freut, sind sie meist historisch und längst beglichen. So konnten sich auch die Teilnehmer des Workshops an diesem Wochenende über zahlreiche Rechnungen aus den Jahren 1620-1750 aus Hohenlohe-Schillingsfürst erfreuen.

Ausgangspunkt war die so oft gestellte Frage nach den früheren Geldwerten und ob diese in heutige Währungen umgerechnet werden können. Leider ist die Antwort hierauf, dass eine Umrechnung so nicht möglich ist, aber man durch den Vergleich z.B. von Warenwerten sich einen Überblick erarbeiten kann.

So machten sich die Teilnehmer daran, Warenwerte für eine individuell ausgewählte Warengruppe wie Hühner, Erbsen, Karpfen und Krebse aus den Rechnungen herauszusuchen, um so ein Gefühl für den Wert eines Produktes zu erlangen. Die Produkte durften hierbei nicht allzu großen Qualitätsschwankungen durch Wettereinflüsse (wie Wein oder Getreide) unterliegen oder mussten vergleichbar sein, denn auch der Wert eines Pferdes kann je nach Alter und Einsatz (Reit-, Zucht- oder Arbeitspferd) erheblich schwanken. Je nach Erfahrung im Lesen alter Schrift, konnte man sich allein auf die Suche nach Rechnungen begeben oder aber auf die Unterstützung innerhalb einer Gruppe zurückgreifen, um die Quellen gemeinsam zu durchforsten. So entstand ganz schnell ein emsiges Suchen und Finden, auch über Gruppen hinweg, was einen unkomplizierten und geselligen Zugang zu den Schriften bot.

Und wer genug von Karpfen, Krebsen, Wein oder Erbsen hatte, konnte sich zu einem Plausch bei Kaffee, Tee und Brezeln zurückziehen und sich so für den nächsten Büschel Rechnungen stärken.

Archivarbeit mal ganz anders!