Ausflug in das ehemalige Kloster Gnadental

Unser Frühjahrsausflug führte uns in das beschauliche Gnadental, wo sich im oberen Flusstal des „Bibers“ ehemals ein Kloster befand. Kein Kirchturm weist uns den Weg, keine prächtigen Bauten künden von der einstigen Zeit. Doch weder die Abgeschiedenheit noch die Bescheidenheit der Architektur sind Zufall, sondern Ausdruck und Merkmale der Baukunst der Zisterzienser.

Vor der ehemaligen Klosterkirche des Nonnenordens empfing uns Herr Walter Euler, der uns die Geschichte dieses besonderen Ortes mit großer Ortskenntnis vermittelte. 1245 verlegte Konrad von Krautheim das Kloster, das ursprünglich im Jagsttal ansässig war, nach Gnadental. Es liegt in unmittelbarer Nähe der Haller Landhege, was immer wieder zu Konflikten führte, wie man heute noch im HZAN nachlesen kann. Die Schutzvogtei übertrug Konrad vor seinem Tod den verwandten Hohenlohe, die geistlichen Aufseher waren die Äbte aus Kloster Schöntal.

Von der ehemaligen Abtei ist heute noch die (verkürzte) Klosterkirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erhalten, die die wesentlichen Merkmale einer Zisterzienserkirche zeigt. Sie ist relativ schlicht gehalten, denn übermäßige Bauzier war nicht erlaubt. Ebenso ersetzte ein schlichter Dachreiter den Kirchturm. Doch trotzdem findet man außen wie innen viele Schmuckformen, die in schöner Schlichtheit das Gotteshaus zieren. Und auch kleine figürliche Darstellungen finden sich. Neben der „Nonne“ auf dem Pfeiler, bei der es sich wahrscheinlich eher um einen Baumeister handelt, sieht man kleine Vögel und im Innern der Kirche kleine Blumen und Röschen. Gut, dass Herr Euler immer wieder auf diese kleinen Besonderheiten hinwies, denn das ein oder andere Detail wäre sonst dem Auge entgangen.

Über die Klostergebäude kann man heute nur noch Vermutungen anstellen und an mancher Stelle lassen die Steine Rückschlüsse auf die einstige Gestalt der Gebäude zu. So sind die Nonnen über ein zweites Geschoss (über dem Kapitelsaal), aus dem Dormitorium direkt auf die Nonnenempore in der Kirche gelangt.

Weiter ging der Rundgang nun in das Innere der Kirche, wo eine weitere Besonderheit auf uns wartete. Es handelt sich um die mittelalterlichen Grabplatten, die im heutigen Vorraum der Kirche zu sehen sind. Wo sie ursprünglich standen ist nicht immer bekannt. Hier sticht vor allem der Grabstein der Äbtissin Helene Gräfin von Hohenlohe (gest. 1543) durch seine feine Ausarbeitung und seinen Detailreichtum ins Auge. Nicht umsonst fällt hier das Stichwort „Riemenschneider Umfeld“.

Mit einem Blick in die Kirche, die den Übergang zur Frühgotik zeigt, wird wieder die schlichte Schönheit, die Anmut durch die Einfachheit dem heutigen Betrachter vor Augen geführt. Ein großes gotisches Fenster ziert den Chor der Kirche, der in zisterziensischer Manier rechteckig abschließt und von mächtigen Kreuzrippen überspannt wird. Die zahlreichen Rosenornamente verweisen auf die damalige Mystik der Frauenorden. Dreht man sich um und schaut in den Westteil der Kirche sieht man die Nonnenempore, auf der die Nonnen, abgetrennt von den Laienbrüdern und Priestermönchen, am Chorgebet teilnahmen.

Ein besonderer Dank geht an Herrn Euler, der uns die Geschichte des ehemaligen Zisterzienserinnen-Klosters mit großer Kenntnis nahegebracht hat. Ein Ort, der heute noch beeindruckt und verzaubert und uns ein bisschen aus dem „Heute“ entführt hat. Mit einem gemeinsamen Essen im nahegelegenen Forsthaus wurde unser Frühjahrsausflug in netter Runde beendet.

Blick in den Chorraum

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