Führung durch die Ausstellung „Über 1000 Jahre Unterregenbach“ in Schwäbisch Hall

Der am linken Ufer der Jagst unterhalb von Langenburg gelegene Weiler Unterregenbach birgt ein faszinierendes Geheimnis. Uns bot sich die Gelegenheit zum Besuch der Sonderausstellung im Hällisch-Fränkischen Museum, wo uns Museumsleiter Dr. Armin Panter empfing.

Nach einer Einführung und einem Einblick in die Arbeitswelt von Archäologen gab es in verschiedenen Vitrinen Fundstücke die rund um die Krypta entdeckt wurden, wie einen Abendmahlskelch, geschnitzte Knochenfundstücke und Einzelteile von Gebetsketten, zu bestaunen. Die Umrisse des unterirdischen Gewölbes der Krypta lassen sich übrigens per Knopfdruck auf eine Wand projizieren.

Dass unter dem Pfarrhaus von Unterregenbach die Reste eines Kirchengebäudes lagen, wusste man, doch erst seit dem Neubau des Pfarrhauses 1880 ist die gesamte Gestalt der Krypta bekannt. Später stieß man bei Grabungen auf die Grundmauern einer Basilika. Niemand wusste von dem Bauwerk. Lediglich in einer Urkunde Kaiser Konrads II. (990–1039) von 1033 wird die Schenkung eines kirchlichen Rechtsbezirks in »Regenbach« an das Bistum Würzburg bestätigt. Stifterin war Kaiserin Gisela von Schwaben († 1043), die Gemahlin Konrads. Mit fast 50 Metern Länge und einer Breite von 17 Metern war die in das ausgehende 10. Jahrhundert datierte Basilika der größte Kirchenbau ihrer Zeit im Gebiet des heutigen Württemberg. Trotz intensiver Grabungen und Recherchen bleiben bis heute viele Fragen offen: Warum wurde eine so gewaltige Kirche in Unterregenbach errichtet und von wem? Führte eine Wallfahrt dorthin? Gehörte sie zu einer Kloster- oder Stiftsanlage? Wie lässt sich ihr schneller Bedeutungsverlust erklären und wie lange war der Kirchenbau tatsächlich in Funktion?

Ebenso spannend wie rätselhaft sind die Befunde von Grabungen unter der heutigen Kirche St. Veit. Dort stieß man auf die Grundmauern einer kleineren Basilika aus der Mitte des 11. Jahrhunderts sowie auf die Reste einer wiederum darunterliegenden noch älteren kleineren Saalkirche, die möglicherweise aus dem 8./9. Jahrhundert stammt. Zwei kreuzförmige Kanäle unbekannter Funktion und vier Bestattungen im Innenbereich geben Rätsel auf. Da Kirchenbestattungen zu dieser Zeit ein Privileg der sozialen Oberschicht waren, stellt sich die Frage, wer dort beigesetzt wurde? Wofür wurde die Saalkirche gebaut? Gehörte sie zu einem Herrensitz? War sie das Zentrum einer Art frühen Klostergemeinschaft und diente zur geistlichen Versorgung der Umgebung? Bestanden die große und die kleine Basilika gleichzeitig oder lösten sie einander ab?

Der Ausstellungsbereich im zweiten Stockwerk gewährt unter anderem Einblicke in den Alltag der Bewohner Unterregenbachs: Tonscherben von Alltagsgefäßen, Gürtelschnallen und Schmuckstücke, Trinkbecher, Münzen, Spielsteine und Spielzeug aber auch Metallgeräte, die in der Landwirtschaft Verwendung fanden gewähren Einblicke in den Alltag der Bewohner Unterregenbachs. Die Klinge eines Rebmessers lässt auf Weinbau schließen.

Highlight am Ende der Führung ist ein schwarz-weißes Panorama Unterregenbachs aus heutiger Zeit. Davor steht ein Tisch, auf dem eine Karte die Gebäudegrundrisse des Dorfes zeigt. Kleine dreidimensionale Modelle der wichtigsten Bauten können auf der Karte platziert werden. Dann erscheinen die Gebäudestrukturen in bunten Projektionen auf dem schwarz-weißen Panorama, so wie sie vor über 1000 Jahren gestanden haben müssen. Entwickelt von Darmstädter Architekturstudenten im Rahmen einer Semesterarbeit !

Auf viele Fragen würden die Besucher laut Herrn Panter auch in der Ausstellung keine Antworten erhalten. Begleitend zu der Ausstellung richtet der Historische Verein für Württembergisch Franken am 06.10.2023 (17:45 – etwa 20:00) und am 07.10.2023 (09:15 – etwa 16:15) in der Hospitalkirche in Schwäbisch Hall eine wissenschaftliche Tagung aus. Darin wird der aktuelle Stand der Forschung präsentiert und Fragestellungen zu Unterregenbach grundlegend diskutiert. Wer sich also umfassend über den aktuellen Stand der Forschung zum Thema Unterregenbach informieren möchte kann sich bis 24.September per mail unter hfm.user@schaebischhall.de anmelden. Die Zahl der Teilnehmer ist auf 200 begrenzt.

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