Da die Grafen von Hohenlohe nicht nur im direkten Umfeld des heutigen Hohenlohe Besitzungen zu verzeichnen hatten, hieß es diesmal Koffer packen und 18 Mitglieder begaben sich auf die Spurensuche nach Ohrdruf in Thüringen.
Unsere erste Station war die Stammburg der Grafen von Gleichen bei Wandersleben. Die mittelalterliche Burgruine empfing uns in Nebel gehüllt und es kommen einem Wörter wie mystisch, neblig, verwunschen oder herbstlich in den Sinn, um die Stimmung bei unserer Ankunft zu beschreiben. Die Grundmauern und auch aufgehendes Mauerwerk eines romanischen Wohnhauses und des Herrenhauses waren zu bestaunen. Auch der mittelalterliche Bergfried, der eine kleine Ausstellung beheimatet, ist sehr sehenswert, nur die Aussicht auf die herbstlichen Wälder und die benachbarten zwei Burgen blieb uns aufgrund des Nebels verwehrt. Ende des 16. Jahrhunderts bauten die Grafen von Gleichen ein schmuckes Residenzschloss im naheliegenden Ohrdruf, wo es sich angenehmer und dem Stande angemessener leben ließ. 1631 starben die Grafen von Gleichen aus und durch eine Erbverbrüderung gelangte die Grafschaft samt seinen Ländereien an die Grafenlinien Hohenlohe-Langenburg und Hohenlohe-Neuenstein. Schloss und Stadt wurden fortan gemeinsam von den beiden Linien verwaltet. Auch wenn es nie ein eigener Residenzort war, hinterließen die Hohenlohe mehrere hundert Jahre ihre Spuren in der Geschichte des Ortes. So begaben auch wir uns nach der Burgführung nach Ohrdruf, wo wir am Nachmittag im Hotel eincheckten. Am Abend empfing uns Herr Antweiler mit einem Vortrag zu den Mitgliedern der Familie Bach, die in Ohrdruf wirkten. Die Sankt-Trinitatis-Kirche lieferte den perfekten Rahmen, um uns die Familie Bach und ihr Leben als Kantoren, Organisten und Lehrer in Ohrdruf vorzustellen. Auch der junge Johann Sebastian verbrachte fünf Jahre (1695-1700) bei seinem Bruder Johann Christoph in der Stadt und besuchte dort das Lyzeum. Damals war allerdings die Michaeliskirche die Hauptkirche der Stadt. Sie wurde nach einem großen Stadtbrand 1808 wiederaufgebaut und durch einen Bombenangriff 1945 bis auf den Turm abermals zerstört.
Am zweiten Tag brachen wir mit der Interessengemeinschaft des Schlosses Ehrenstein zu einer sehr interessanten Stadtführung auf. Man konnte wirklich staunen, welch wechselvolle Geschichte in diesem kleinen Städtchen steckt. Drei Stunden waren schnell verflogen und man hätte noch weiter den Geschichten lauschen können, doch allmählich war es Zeit für eine Mittagspause. Danach waren wir eingeladen in kleinen Gruppen das Renaissanceschloss mit seinem modern eingerichteten Museum zu besichtigen. Die Ausstellung wurde neu konzipiert und eingerichtet, nachdem das Schloss 2013 einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen war. Das war besonders tragisch, denn jahrelang war es mühsam und unter viel Einsatz renoviert worden, als am Tag der Eröffnung ein Brand ausbrach und zwei Flügel des Schlosses komplett zerstörte. Das Museum zeigt sehr anschaulich und mit vielen Exponaten die Geschichte des Ortes. So war Ohrdruf ein bekannter Herstellungsort der ersten Charakterpuppen der Welt, den so genannten „Kewpies“, Stahlrohrmöbeln von Bauhausdesigner Erich Dieckmann und auch die Spielzeugindustrie fasste hier Fuß. Am Abend wurden wir von den engagierten Mitgliedern der „IG Ehrenstein“ zu Thüringer Bratwurst und Soljanka eingeladen. Mit einem Gastbeitrag von Jan Wiechert zum Thema „Hin und Her“ zwischen Hohenlohe und Ohrdruf fiel nochmal der Spot auf die Menschen und deren Geschichten, die sich zwischen den Gebieten bewegten und durch die räumliche Distanz geprägt waren.
Mit einem Abstecher ins ebenso geschichtsträchtige und hübsche Städtchen Schmalkalden endete unsere Reise am dritten Tag und es blieben viele neue Eindrücke, schöne Begegnungen und ganz viel Geschichte(n) im Gedächtnis der Teilnehmer.
Auf einen Gegenbesuch aus Ohrdruf würden wir uns sehr freuen, es warten noch viele Regalmeter Akten im Hohenlohe Zentralarchiv auf eifrige Entdecker und bergen geduldig viele weitere Geschichten von Menschen und Begebenheiten zwischen Hohenlohe und Ohrdruf.
